20 Dinge, die ich in 20 Jahren gelernt habe

 
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Eine kleine Ansammlung von Lehren und Dingen, die ich in meinen 20 Jahren, die ich bisher auf dieser Welt verbringen durfte, gelernt habe, weder nach Wichtigkeit noch chronologisch geordnet, sondern wild durcheinander wie das Leben selbst :)

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1. Das Atmen ist eine der wenigen Konstanten im eigenen Leben

Atme langsam ein und spüre, wie die Luft durch deine Nase in dich hineinströmt und beim Ausatmen wieder langsam entweicht. Ich finde, die Konzentration auf einen ruhigen Atem sollte jeder Mensch von Zeit zu  Zeit versuchen. Ich bemühe mich, immer dann auf meinen Atem zu achten, wenn ich wütend, aufgeregt oder traurig bin. Wenn mein Atem ruhiger wird, folgt meist sehr bald der Rest meines Körpers.  

You can feel that you are breathing, and equally you can feel that it is breathing you. So it is a sort of bridge between the voluntary world and the involuntary world — a place where they are one.
— Alan Watts

2. Fast überall gibt es Leute, die dich, — ohne ersichtlichen Grund, – nicht mögen werden

Was es auch ist, nur schlecht gelaunt oder die Lebenseinstellung, nimm es nicht immer persönlich wenn dich jemand nicht mag. In den meisten Fällen hat es mehr mit deren Problemen zu tun als mit dir. 

 

3. Jeder Mensch, der dir nahe steht, enttäuscht dich irgendwann im Laufe eurer Beziehung.

In den Worten Bob Marleys: “The truth is, everyone is going to hurt you. You just got to find the ones worth suffering for.”

 

4. Hinterfrage es, wenn jemand behauptet, die absolute Wahrheit zu kennen

Die absolute Wahrheit gibt es nicht, zumindest konnte man sie bis jetzt noch nicht finden oder gar beweisen, dass es sie überhaupt gibt.  Wir leben ein Leben voller Ungewissheiten. Gibt es Gott? Was ist der Sinn des Lebens? Das einzige, was wir haben, ist unsere persönliche Weltanschauung, unsere eigene Wahrheit, unser eigenes Verständnis von der Realität, das wir brauchen, um uns einigermaßen sicher im Leben zu fühlen.  Nimm aber niemals an, dass deine eigene Wahrheit allgemeingültig ist. Vielleicht teilst du sie mit deiner Familie oder einer ganzen Glaubensgemeinschaft, aber ganz sicher nicht mit 7,6 Milliarden Menschen. Menschen, die glauben, sie wären im Besitz einer absoluten Wahrheit, sind meiner Meinung nach, schlicht größenwahnsinnig.  

 

5. „Verspreche nichts, wenn du glücklich bist, antworte nicht, wenn du wütend bist und entscheide nichts, wenn du traurig bist.“

Wenn man glücklich ist, dann glaubt man in diesem Moment meist, dass dieser Zustand lange anhalten wird und man in der Zukunft dieselbe positive Einstellung zu Dingen hat, die man in diesem Moment hat. Jedoch ist es meist so, dass sich Meinungen und Gefühle schneller ändern können als man denkt. 

Wenn man wütend ist, dann sagt man leicht Sachen, die man eigentlich nicht so meint, und wenn man traurig ist, verliert man meist den Blick für das große Ganze.  Einfach gesprochen, lass dich nicht zu sehr von deinen Gefühlen verleiten. 

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6. Das Leben ist nicht fair

Vielleicht glauben die einen an Karma und die anderen an Schicksal, an eine Gleichung des Universums, die jede Ungerechtigkeit ausgleicht. Ich glaube aber nicht an solche Gleichungen, ich glaube an das, was ich erlebt habe und sehe. Allein die Tatsache, dass manche Menschen ihr Leben lang leiden und hungern müssen, während anderen mühelos ein Leben in Reichtum gesichert ist, spricht gegen die Behauptung einer gerechten Welt. Mag sein, dass man mehrmals lebt und im nächsten Leben alles neu verteilt wird, doch bis dahin ist die einzige Gewissheit, die wir haben,  dass es dieses eine Leben für uns gibt. Und ich denke, es lebt sich besser in diesem Leben, wenn man akzeptiert, dass das Leben nicht fair ist.  Manche arbeiten und bemühen sich um andere und haben dennoch nie Erfolg, während andere im Lotto gewinnen. Wenn jeder in diesem Leben bekommen würde, was er „verdient“, dann würde sich das Glück und der Erfolg bestimmt ganz anders verteilen.

 

7. Jeder bekommt bei seiner Geburt eine Handvoll Karten. Es geht nicht darum, wie gut deine Karten sind, sondern wie gut du darin bist, sie zu spielen.

Aus dem vorherigen Punkt ging ja schon hervor, dass ich glaube, dass das Leben nicht fair ist. Deshalb mach das Beste aus deiner Situation. Über alles andere hast du auch gar keine Macht. Werde ein Meister in dem Spielen deiner eigenen Karten. 

 

8. Handele nach deinen Prinzipien, auch wenn das bedeutet, sich für den schweren Weg zu entscheiden: „Do what is right, not what is easy.“

Der Spruch wirkt auf den ersten Blick banal, jedoch hat er zumindest mir beim Treffen von vielen kleinen Entscheidungen sehr weiter geholfen. Ich versuche immer, nach einer goldenen Mitte, nach Prinzipien zu entscheiden, die mir wichtig erscheinen. Ich denke, die meisten Menschen wissen intuitiv, was in einer Situation zu tun das Richtige ist, jedoch ist es oft nicht der einfachere Weg. Aber es ist oftmals der Weg, der sich auf lange Sicht am meisten auszahlt.  Vor allem stärkt es die eigene Selbstachtung. 

(Laura Seiler hat übrigens einen tolle Podcastfolge über dieses Thema gemacht)

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9. Die meisten Menschen haben genauso wenig einen Plan vom Leben wie du: „Die anderen kochen auch nur mit Wasser“

Man ist so schnell darin, Menschen, die ein beeindruckendes Auftreten haben, auf ein Podest zu stellen. Man nimmt irrgläubig an, dass sie das Geheimnis des Lebens herausgefunden haben.  Die meisten sind aber einfach nur geübt darin, es so wirken zu lassen.  Und dem anderen Teil spielt der Halo-Effekt in die Hände. Nur weil es Leute gibt, die erfolgreich in ihrem Beruf sind, selbstbewusst den Raum betreten, charismatisch wirken, mit jedem ein Gespräch anfangen können oder obendrein vorbildliche Eltern sind, heißt das noch lange nicht, dass sie über irgendein geheimes Wissen verfügen, über eine Betriebsanleitung für ein gutes Leben, das sie der Menschheit vorenthalten. Jeder Mensch macht Fehler, und die eine richtige Art das Leben zu leben gibt es nicht. 

 

10.  Aufmerksamkeit richtig einsetzen

Oft konzentrieren wir uns in unserem Leben auf unnötige kleine Probleme im Alltag, und da es sich mit unserer Aufmerksamkeit wie mit einer Lupe verhält, erscheinen diese Probleme viel, viel größer als sie objektiv meist sind. Wenn wir uns auf die wichtigen Sachen im Leben konzentrieren, die auf lange Sicht zum Erfolg führen, dann ist unsere Aufmerksamkeit gut eingesetzt. Es geht oft nicht darum, viele Sachen mitzubekommen und zu erleben, sondern darum, sich auf die wenigen wichtigen zu konzentrieren, gerade in unserer heutigen Zeit, wo sich alles um Aufmerksamkeit zu drehen scheint.

(Der Artikel von Mark Manson über Aufmerksamkeit hat mir sehr gut gefallen: https://markmanson.net/attention)

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11. Habe immer zwei Ereignisse in der nahen Zukunft, auf die du dich freust

Ich versuche, mir immer zwei Ereignisse in der Zukunft zu überlegen, auf die ich mich freue. Wenn das eine Ereignis eintritt, habe ich in der Zeit, in der ich mir etwas Neues überlege, auf das ich mich freuen kann, noch das zweite Ereignis. Vorfreude ist bekanntlich die größte Freude :) 

 

12. „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“ 

Oft neigen wir Menschen dazu, Dinge zu sehen, wie sie von außen erscheinen, das glückliche Paar am Strand hat ein „happy ever after“ gewiss, das Gehirn des Mathegenies findet die Lösungen mühelos. Jedoch sehen wir nur einen Bruchteil und spinnen uns den Rest zusammen. Wenn man etwas oberflächlich betrachtet, sieht man nur die Spitze des Eisberges. Der Manager hat neben seiner steilen Karriere eine moderne schicke  Wohnung, eine super Frau, fährt ein tolles Auto, der muss doch zufrieden und glücklich sein. Die Stunden an Arbeit, die er über die Jahre in seine Karriere gesteckt hat, die schlaflosen Nächte, sein Fremdgehen, die Ehekrise, seine Komplexe, all das, von dem wir nichts wissen, nichts wissen können, liegt unter der Oberfläche versteckt, nicht sichtbar für den kurzen Blick eines Fremden. Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, effizient zu arbeiten, und um Energie zu sparen nehmen wir meist nur die Dinge wahr wie sie scheinen und füllen den Rest mit unserer Vorstellung auf.

Ich glaube, die meisten Menschen, die ein zufriedenes Leben führen, haben aber begriffen, dass sie niemandem was beweisen müssen. Sie sind nicht von der Bewunderung von anderen abhängig. Sie brauchen nicht das Rampenlicht, um sich bestätigen zu lassen. Sie durchleben im Stillen ihre Krisen und feiern ihre Erfolge mit der Familie und Freunden. 

Das nächste Mal, wenn du glaubst,  jemand scheint ein perfektes Leben zu haben, halte inne und denk weiter. Denk daran, wie wenig die anderen von deinem eigenen Leben mitbekommen und denk daran, dass niemand, wirklich niemand ein perfektes Leben hat, erst recht nicht die Menschen, die so verzweifelt versuchen, es so wirken zu lassen. 

 

13. Mach jeden Morgen dein Bett

Eine kleine Angewohnheit, die dir aber schon früh am Tag das Gefühl gibt, produktiv zu sein.  Es dauert nur ein paar Sekunden, lässt den Tag aber, meiner Meinung nach, besser starten. 

(Ein Artikel von Mel Robbins dazu: https://melrobbins.com/change-your-life-habits/)

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14. Finde inneren Erfolg, mache nicht den Umweg über äußeren Erfolg

Dieses Konzept habe ich aus dem Buch „Die Kunst des guten Lebens“ von Rolf Dobelli, genauer aus dem letzten Kapitel darin. Viele Menschen streben nach Erfolg, nach äußerem Erfolg. Sie wollen Geld, um sich ein schönes Haus zu kaufen, ein Auto, das schnell fährt. Sie wollen Ruhm, von Schönheit umgeben sein, bewundert werden. Weil wir irrgläubig annehmen, dass diese äußeren Sachen uns glücklich machen. Aber warum den Umweg machen? Warum den Umweg von außen nach innen machen und nicht direkt nach innerem Erfolg suchen? Dann würden wir uns eine Menge Zeit und eine Menge Enttäuschung ersparen.

“I think everybody should get rich and famous and do everything they ever dreamed of so they can see that it’s not the answer.”
— Jim Carrey

15.Verbringe so oft wie möglich Zeit in der Natur

Ich versuche jeden Tag spazieren zu gehen; die Natur gibt mir das Gefühl,  zu Hause zu sein und schenkt mir Momente der Entspannung. Nicht nur frische Luft, sondern auch Bewegung, die Erholung für die Augen, wenn man zu lange auf einen Bildschirm gestarrt oder gelesen hat, der Wechsel der Jahreszeiten, den man beobachten und erleben kann, gibt uns die Zeit in der Natur. Das Zwitschern der Vögel und die saftigen Wiesen mit Löwenzahn im Frühling, die warmen Sonnenstrahlen im Sommer, die bunten Schattierungen der Blätter im Herbst, das Knirschen des Laubes bei jedem Schritt und die wunderschöne Schneelandschaft im Winter, das Glitzern der Baumwipfel, wenn die Abendsonne sie ein letztes Mal streift. Die Natur genießen zu können ist eine der schönsten Seiten am Leben, die Momente, in denen man es in vollen Zügen genießt, Mensch zu sein.

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16. Sich sorgen machen bedeutet, dass man doppelt leidet

Natürlich ist das Leiden ein Teil des Lebens, und niemand ist durchgehend zufrieden und glücklich. Aber sich im Leid zu suhlen ist meiner Meinung nach alles andere als attraktiv und erst recht nicht erstrebenswert. Wenn negative Gedanken nicht zu etwas Positivem führen, dann sind negative Gedanken überflüssig. Punkt.

 

17. Jedes Ereignis hat nur die Macht über dich, die du ihm selber gibst

Das hat mir meine Mutter gesagt, als ich ungefähr zwölf Jahre alt war. Ich war damals sauer gewesen, wegen was weiß ich schon gar nicht mehr, aber der Satz meiner Mutter blieb in meinem Gedächtnis hängen. Rückblickend war es einer der besten Ratschläge, die ich je bekommen habe. Nicht nur der Ratschlag an sich war bedeutend für meine Entwicklung, sondern auch der Zeitpunkt, an dem ich ihn erhalten habe und natürlich meine ganz persönliche Umsetzung. Ohne es zu wissen entwickelte ich eine stoische Einstellung gegenüber Dingen, die ich nicht ändern konnte, was mir gerade in den letzten Jahren sehr geholfen hat.  (Anmerkung: Mein Bruder hat gerade über meine Schulter geschaut und empört kommentiert: „Der Satz ist von mir!“, wer es nun war, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben)

 

18. Die Welt ist kompliziert

Unser Verständnis von der Welt ist aufgebaut durch Modelle, sei es in den Naturwissenschaften, die sich mit Modellen behilft, um Atome und deren Verbindungen untereinander zu verstehen. Oder unser Verständnis von Geschichte, ein aus Schnipseln zusammengebautes Gerüst, das nur einen winzigen Teil der Wahrheit abdeckt. Alles Konstruktionen, um die Komplexität unserer Welt irgendwie greifbarer zu machen. Um Lücken des Verstehens aufzufüllen. 

Das kollektive Bewusstsein der Gesellschaft baut auf Modellen auf. Wie die Politik funktioniert, wie die Finanzwelt funktioniert, all das lässt sich nur anhand von Modellen erklären. Tatsache ist nämlich, dass die Welt viel zu komplex ist, als dass wir sie je wirklich begreifen könnten. Experten scheitern regelmäßig. Es gibt so viele Variablen, die außer Acht gelassen werden. So viele Dinge, die wir nicht einbeziehen, weil wir nicht von Ihrer Existenz wissen. Selbst unsere eigenen Gefühle können wir nicht wirklich gut durch Sprache anderen klar machen, wir verwenden Metaphern, um Schmerz oder Freude auszudrücken. Wir versuchen oftmals etwas auszudrücken, was sich nicht durch Sprache transportieren lässt. Wir werden in unserem Leben nur einen Bruchteil von dieser Welt verstehen, einen verschwindend winzigen Teil, aber für den Rest kann man gute Modelle finden, die im Normalfall völlig ausreichen. 

 

19. Demut

Jeden Erfolg, jedes der Privilegien, die ich genieße, die Tatsache, dass ich hier im Stillen an meinem Laptop sitzen kann und diesen Text schreiben kann, verdanke ich Umständen, die außerhalb meiner Kontrolle lagen und liegen. Ich habe nichts dafür getan, in Deutschland geboren zu werden, nichts dafür getan, in meine Familie hineingeboren zu werden, nichts dafür getan, aus welchen Genen ich aufgebaut bin, all meine späteren Entscheidungen bauen auf diesen Umständen auf. Ich bin weder schlechter noch besser als andere Menschen darin Mensch zu sein, ich habe in manchen Sachen vielleicht bessere Karten abbekommen, in anderen Sachen aber auch schlechtere. Aber vor allem habe ich mir die Karten nicht aussuchen dürfen, so wie jeder andere auch nicht. Deshalb ist es gut, eine gewisse Demut zu entwickeln und sich selbst und seine Fähigkeiten nicht zu wichtig zu nehmen. (Dieser Punkt ist auch inspiriert aus dem Buch „Die Kunst des guten Lebens" von Rolf Dobelli)

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20. Kunst macht das Leben schöner

Sei es Musik, Malerei, Literatur oder schöne Filme. Kunst kann das Leben schöner machen, vor allem, wenn wir selber was produzieren, was andere Menschen berührt und in dem sie sich wiederfinden, aber auch, wenn wir uns in Kunstwerken wieder finden, wenn sich unsere Ängste und Sehnsüchte widerspiegeln in den Werken anderer und wir eine Verbindung spüren, die über Zeit und physische Grenzen hinaus geht, als seien wir alle durch diese Sehnsucht verbunden, die Sehnsucht nach dem Einssein mit allem, mit den Fehlern und mit der Schönheit dieser Welt.