4 Schritte, um Konflikte zu lösen 

 
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Er saß da, im warmen Licht der Deckenlampe, und sang mit rauer Stimme, während seine Finger zarte Töne der Gitarre entlockten. 

 

See me beautiful, look for the best in me

That's what I really am and all I want to be

It may take some time

It may be hard to find

But see me beautiful

 

See me beautiful, each and every day

Could You take a chance?

Could You find a way?

To see me shining through

In ev'ry thing I do

And see me beautiful

 

- Written by Red and Kathy Grammer

 

Es war ein schöner Abschluss für die letzte Woche des Workshops über GFK (Gewaltfreie Kommunikation). Es ist jetzt schon mehre Jahre her, aber was soll ich sagen? Es hat mein Leben verändert. 

Gewaltfreie Kommunikation wurde von Marshall B. Rosenberg entwickelt und beschäftigt sich mit einer möglichst sanften, aber dennoch konsequenten Art der Kommunikation mit seinen Mitmenschen. Dabei geht es darum, weder sich selber noch seinem Gegenüber Gewalt anzutun, weder physische noch seelische. 

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Im Grunde baut das Handlungskonzept auf der Idee auf, dass alle Menschen die selben Bedürfnisse haben (Selbstbestimmung, Verbundenheit, Entspannung, Balance, Gerechtigkeit, Wertschätzung, Entwicklung etc), die natürlich bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir eigene Strategien, um uns unsere Bedürfnisse zu erfüllen. 

Die meisten zwischenmenschlichen Konflikte entstehen dabei durch die unterschiedlichen Strategien, die jeder hat, um sich seine Bedürfnisse zu erfüllen, gerade wenn die Strategien des einen nicht kompatibel sind mit den Strategien des anderen. Folge davon sind unerfüllte Bedürfnisse auf der einen oder auf beiden Seiten. 

Every criticism, judgment, diagnosis, and expression of anger is the tragic expression of an unmet need.
— Marshall B. Rosenberg

Wenn es zu einem Konflikt zwischen zwei Personen kommt, gibt es in der GFK 4 Grundschritte, um diesen zu klären. Diese Grundschritte sind nur als grobe Richtlinien gedacht und funktionieren nur, wenn beide Beteiligten offen dafür sind, eine gemeinsame Lösung zu finden. Entweder geht man bei den folgenden Schritten emphatisch auf die eigene Stimmung ein oder man gibt seinem Gegenüber Empathie.  

 

1.) Beobachtung: 

Zuerst schildert man seine Beobachtung, die den Konflikt ausgelöst hat:

Die Schilderung sollte möglichst neutral und objektiv sein:

Beispielssatz:

„Wenn ich im Wohnzimmer den Verpackungsmüll von deinem Paket vorfinde…“

nicht:

 „Überall im Haus fliegt dein besch* Müll rum…“

 

2.) Gefühle:

Als zweiten Schritt nennt man die Gefühle, die das Verhalten des anderen bei einem selber ausgelöst haben. Oder man nennt ein Gefühl, von dem man annimmt, dass der andere es empfindet (Am besten als Frage formulieren und nicht als feste Tatsache) Hierbei muss man aber aufpassen, auch wirklich echte Gefühle zu nennen: 

Echte Gefühle sind zum Beispiel: traurig, fröhlich, ängstlich etc.

Unechte Gefühle sind lediglich Interpretationen einer Situation oder Vermutung der Absichten des anderen: unwichtig, erniedrigt, missbraucht, vernachlässigt, manipuliert. (Obwohl sie keine richtigen Gefühle sind, können sie uns dennoch auf unerfüllte Bedürfnisse hinweisen!)

Positive Gefühle kommen bei erfüllten Bedürfnissen: munter, motiverte, kraftvoll

Negative Gefühle bei unerfüllten Bedürfnissen: ausgelaugt, bedrückt, frustriert

Zum Beispielssatz: 

„Wenn ich im Wohnzimmer den Verpackungsmüll von deinem Paket vorfinde, dann bin ich ärgerlich.

 

3.) Bedürfnisse:

Nun nennt man ein Bedürfnis, das beeinträchtig worden ist durch die Handlung des anderen:

z.B. Sicherheit, Selbstbestimmung etc. Oder man nennt ein Bedürfnis, von dem man glaubt, das es bei dem anderen unerfüllt blieb. 

Hierbei ist wichtig zu bedenken, dass es nicht nur eine Strategie gibt, ein Bedürfnis zu erfüllen, so wie es auch nicht nur eine Person gibt, um ein Bedürfnis zu erfüllen. 

Also: „Wenn ich im Wohnzimmer den Verpackungsmüll von deinem Paket vorfinde, dann bin ich ärgerlich, weil mir Ordnung wichtig ist

 

4.) Bitte

Die Bitte muss konkret und positiv formuliert sein, zudem soll sie für das Gegenüber erfüllbar sein und sich auf die nahe Zukunft beziehen:

„Wenn ich im Wohnzimmer den Verpackungsmüll von deinem Paket vorfinde, dann bin ich ärgerlich, weil mir Ordnung wichtig ist. Könntest du bitte heute deinen Müll entsorgen?

Noch ein Beispielsatz, diesmal wird dem anderen Empathie gegeben:

„Wenn ich vergesse mich bei dir zu melden, dann bist du wahrscheinlich enttäuscht, weil dir Verbundenheit wichtig ist. Wenn du  möchtest, können wir ausmachen uns einmal im Monat zu treffen, um was zu unternehmen.“

 

Diese Sätze klingen für den ein oder anderen vielleicht etwas gestelzt und übertrieben, aber es geht mir vor allem darum, das Schema so deutlich wie möglich zu machen. Ziel dieser Schritte ist es, dem Gegenüber einen Einblick in deine Situation zu geben und deine Gefühle und unerfüllten Bedürfnisse deutlich zu machen. Denn das kann der andere viel besser nachvollziehen, als wenn man ihm nur Beleidigungen oder Vorwürfe an den Kopf wirft. Eine möglichst vorurteilsfreie Schilderung der eigenen Situation sorgt dafür, dass bei dem anderen keine Abwehrhaltung entsteht. 

Oder man kann sich für den anderen Weg entscheiden, nämlich seinem Gegenüber Empathie entgegenzubringen. Man sollte sich immer wieder aufs Neue bewusst machen, dass der andere auch nur ein Mensch ist, mit Gefühlen, Bedürfnissen und vielen Fehlern. Ich denke dann immer an das Lied vom Anfang des Artikels: „See me beautiful, look for the best in me“. Im Grunde will doch jeder gemocht werden, will verstanden werden, will akzeptiert werden. Dennoch bist du natürlich nicht für das Erfüllen der Bedürfnisse deiner Mitmenschen verantwortlich. Dem anderen etwas zu geben ist eine freiwillige Entscheidung aus einer liebevollen Haltung heraus, und die sollten wir anstreben. 

Man muss diese Schritte nicht haargenau einhalten, aber man sollte sich dennoch bewusst sein, dass unsere Bedürfnisse und Gefühle das sind, was uns Menschen miteinander verbindet, und wenn man daran interessiert ist, einen guten Umgang mit seinen Mitmenschen zu haben, sollte man zumindest versuchen, ihnen Empathie entgegen zu bringen. Wenn du damit Probleme hast, dann könnte es ein Hinweis darauf sein, dass deine eigenen Bedürfnisse vernachlässigt wurden. 

 

Tipp zum Abschluss:

Sich selber Empathie geben!

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Warum bist du wütend, aufgewühlt, traurig? Welche Bedürfnisse wurden nicht erfüllt? Dein Bedürfnis nach Anerkennung? Autonomie? Geborgenheit? Du kannst erstmal versuchen, dir selber diese unerfüllten Bedürfnisse zu erfüllen. Zum Beispiel das Bedürfnis nach Ruhe, indem du spazieren gehst oder dich in deinem Zimmer zurückziehst. Du kannst aber auch versuchen, dir eine Situation aus deiner Vergangenheit nochmal ins Gedächtnis zu rufen, in der ein bestimmtes Bedürfnis erfüllt war, beispielsweise eine Situation, wo du wertgeschätzt wurdest oder wo du Selbstwirksamkeit erfahren konntest. Führ dir die Situation nochmal ganz klar vor Augen und gehe voll in dieses erfüllte Bedürfnis ein. 

Analyses of others are actually expressions of our own needs and values.
— Marshall B. Rosenberg

Natürlich geht es in der GFK um viel mehr als nur diese 4.Grundschritte, deshalb habe ich hier noch ein paar Buchempfehlungen für dich, damit du dich, wenn du möchtest, weiter über diesen Artikel hinaus informieren kannst.

 

Buchempfehlungen: 

„Gewaltfreie Kommunikation

Eine Sprache des Lebens“

Marshall B. Rosenberg

 

„Sei nicht nett, sei echt!“

Kelly Bryson

 

Weitere Informationen findest du unter:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation

http://www.deutschlandfunkkultur.de/gewaltfreie-kommunikation-eine-sprache-des-herzens.1024.de.html?dram:article_id=385322

https://www.gfk-info.de/was-ist-gewaltfreie-kommunikation/

 

Ich hoffe, ich konnte dir helfen! :)